Die Würde des Menschen ist unantastbar!

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SPD-Kreisvorsitzender Dr. Bernd Vilsmeier (li.) und SPD-Ortsvorsitzender Georg Wintersperger (re.)

SPD erinnert an Widerstand gegen die Nazis in Bayern

"Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt", so beginnt in Artikel 1 des vor 75 Jahren beschlossenen Grundgesetzes für die damals neu entstandene Bundesrepublik Deutschland. Dies war die Gründungsurkunde des zweiten demokratischen Staates auf deutschen Boden, so SPD-Kreisvorsitzender Dr. Bernd Vilsmeier bei der alljährlichen Gedenkfeier des SPD-Ortsvereins Wallersdorf zusammen mit dem SPD-Kreisverband Dingolfing-Landau bei der KZ-Gedenkstätte in Wallersdorf.

"Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht!", mit diesen Worten begründete der damalige SPD-Fraktionsvorsitzende Otto Wels die Ablehnung des von den Nazis eingereichten Ermächtigungsgesetzes am 23. März 1933 vor 91 Jahren im Berliner Reichstag, mit dem das demokratische Deutschland abgeschafft worden ist. Dasselbe Schicksal ereilte den Freistaat Bayern, der 1918 ausgerufen worden ist. Am 29. April 1933 mussten die Abgeordneten über das „Gesetz zur Behebung der Not des bayerischen Volkes und Staates“ – wie es zynisch genannt wurde – zu befinden. Dem Landtag gehörten damals 48 Abgeordnete der NSDAP an, 30 der BVP, 18 der SPD, 5 der DNVP und 3 dem Bauern- und Mittelstandsbund. Kommunistische Abgeordnete waren nicht mehr dabei, sondern bereits der Verfolgung ausgesetzt, verhaftet oder auf der Flucht. Lediglich die 16 anwesenden SPD-Abgeordneten brachten die Tapferkeit und die Standfestigkeit auf, um gegen dieses Ermächtigungsgesetz zu stimmen. Der Vorsitzende der Fraktion, Albert Roßhaupter, übernahm die Aufgabe, die Ablehnung in einer mutigen Rede zu begründen.

Für den bayerischen Parlamentarismus ist der 29. April 1933 im Endeffekt ein Tag der Schande, erklärte Dr. Vilsmeier, für uns Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten ist er aber ein Tag um Stolz zu sein. Viele Jahre haben sich die SPD-Abgeordneten bemüht, an die Abgeordneten im Landtag zu erinnern, die gegen das Ermächtigungsgesetz stimmten. Wir wissen alle was folgte, so Vilsmeier weiter, 12 Jahre Tyrannei, Intoleranz, Terror, Willkür, Barbarei und letztendlich der totale Untergang Bayerns und Deutschlands vor 79 Jahren mit der Befreiung von den Nazis durch die alliierten Streitkräfte am 8. Mai 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation.

Langsam begann unter der Besatzung der Alliierten der Wiederaufbau. Die Menschen im damaligen Deutschland hatten wahrlich andere Probleme, als sich mit Inhalten und Strukturen einer neuen Verfassung auseinanderzusetzen. Große Teile der Städte und Wirtschaft waren zerstört, Millionen Menschen auf der Flucht, zigtausende noch in Gefangenschaft, fast 60 Millionen Menschen aufgrund des von den Nazis vom Zaun gebrochenen Krieges umgekommen, gefallen oder ermordet.

Ein kleines aber relativ unbekanntes Kapitel bei der Formulierung des Grundgesetzes, es sollte ja nicht Verfassung heißen, um die "Vorläufigkeit" bis zu einer Wiedervereinigung Deutschlands zu betonen, waren die sog. "Mütter des Grundgesetzes", erklärte Dr. Vilsmeier weiter. Helene Weber (CDU), Helene Wessel (Zentrum) und Elisabeth Selbert und Friederike Nadig (beide SPD) kämpften für die Aufnahme des Satzes "Männer und Frauen sind gleichberechtigt" in das neue Grundgesetz. Sogar viele Parteifreunde aus den eigenen Reihen wollten da nicht mitgehen, so Vilsmeier, denn im Artikel 3 stand ja schon: "Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich". Aber der Beharrlichkeit und dem Verhandlungsgeschick dieser vier mutigen Frauen ist zu verdanken, dass der Artikel 3 noch entsprechend ergänzt wurde: "Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin".

"Die Würde des Menschen ist unantastbar", so einfach, wie beeindruckend sind in diesem einen Satz sind sozusagen die Erfahrungen von 12 Jahren Nazi-Diktatur zusammengefasst und die Lehren daraus gezogen, meinte Dr. Vilsmeier. Wir kritisieren ja gerne die mangelnde Demokratisierung in anderen Ländern und Kontinenten. Aber in der Rückschau brauchte sogar das immer gerne bemühte Wort vom Lande der "Dichter und Denker" ebenfalls einige Jahrhunderte, bis bei uns ebenfalls die Demokratie ins Laufen gekommen ist.

Dazu begrüßte der SPD-Kreisvorsitzende und SPD-Kreisrat Dr. Bernd Vilsmeier den örtlichen Pfarrer Thomas Hösl, Alt-Landrat Heinrich Trapp, Bürgermeister Franz Aster, die örtlichen SPD-Markträte aus Wallersdorf Georg Wintersperger und Herbert Felllinger, den SPD-Fraktionsvorsitzenden im Kreistag Sepp Koch, die Landshuter Stadträtin Anja König den ehemaligen Kreis- und Stadtrat Nik Söltl, dazu viele Vertreter der SPD-Ortsvereine in Dingolfing-Landau, Deggendorf, Landshut und weitere Gäste.

Nach dem Gedenken an den letzten parlamentarischen Widerstand in Bayern zeichnete Dr. Vilsmeier die Geschichte des KZ-Lagers Ganacker-Erlau nach. Es war ein Außenlager des KZ Flossenbürg. Im Außenlager Ganacker sollten die Häftlinge hauptsächlich den Fliegerhorst Landau-Ganacker ausbauen und instand halten, dazu wurde es Ende 1944, Anfang 1945 eingerichtet. Es war zunächst auf dem Gelände des Flugplatzes Landau-Ganacker untergebracht. Dort war ein Jagdgeschwader für den Einsatz der Me 262 stationiert. Nach heftigen Luftangriffen wurde das KZ-Außenlager in die Erlau, nahe Wallersdorf verlegt.

Es gab etwa 400 männliche Häftlinge, zumeist Juden aus ganz Europa. Sie vegetierten unter erbärmlichen Bedingungen in feuchten Erdlöchern, den „Finnen“, bei Regen und Schnee. Es war von den Lebensbedingungen her eines der allerhärtesten und berüchtigtsten Lager. Kurz bevor die Amerikaner Ende April 1945 in Landau ankamen, wurde das Lager geräumt und die noch lebenden Häftlinge wurden auf einen Todesmarsch Richtung Alpen getrieben.

Vom 2. März 1945 bis zum 23. April 1945 sind 138 Häftlinge im KZ-Außenlager umgekommen. Sie wurden gleich hinter dem Lager und einem nahen Waldstück westlich davon notdürftig verscharrt. Ein Teil der Häftlinge wurde dann bei dem nahe gelegenen Kirchlein St. Sebastian begraben und 1957 auf den KZ-Ehrenfriedhof Flossenbürg umgebettet.

 

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